Ein Leben mit Beatmung oder außerklinischer Intensivpflege findet nicht nur im eigenen Wohnzimmer statt. Der Termin beim Facharzt, ein Spaziergang in der Eilenriede, der Geburtstag der Enkelin oder die Hochzeit im Familienkreis: All das gehört zum Leben dazu. Viele Familien zögern trotzdem, solche Unternehmungen anzugehen. Die Sorge ist groß, dass unterwegs etwas schiefgeht, dass ein Gerät ausfällt oder dass die Kräfte nicht reichen.
Mit guter Vorbereitung sind Ausflüge mit Beatmung in vielen Fällen möglich. In diesem Ratgeber zeigen wir, wie Sie Arzttermine, Ausflüge und Familienfeiern Schritt für Schritt planen, was in die Notfalltasche gehört und wie das Pflegeteam Sie dabei unterstützen kann.
Warum Teilhabe so wichtig ist
Für viele Menschen, die beatmet werden, ist die Welt nach einer langen Krankheitsphase sehr klein geworden. Jeder Schritt nach draußen kann ein Stück Normalität zurückbringen: frische Luft, andere Gesichter, Gespräche, Erlebnisse, an die man sich gern erinnert. Das tut der Seele gut, und oft profitieren auch die Angehörigen davon, wenn gemeinsame Momente wieder möglich werden.
Gleichzeitig gilt: Nicht jeder Tag ist für einen Ausflug geeignet, und nicht jede Unternehmung passt zu jeder Situation. Ob und in welchem Umfang etwas möglich ist, sollte immer mit dem behandelnden Arzt und dem Behandlungsteam besprochen werden.
Ausflüge mit Beatmung: Gut geplant ist halb gewonnen
Die richtige Zeit wählen
Planen Sie Unternehmungen in Zeiten, in denen Ihr Angehöriger erfahrungsgemäß die meiste Kraft hat. Für viele ist das eher der späte Vormittag, für andere der Nachmittag. Lassen Sie genügend Puffer für Pflege, Absaugen oder Lagerung vor dem Aufbruch. Wer unter Zeitdruck losfährt, ist schnell gestresst, und Stress überträgt sich.
Das Ziel vorher prüfen
Ist der Ort barrierefrei erreichbar? Gibt es Steckdosen, falls ein Gerät geladen werden muss? Wo kann man sich zurückziehen, wenn eine Pause oder eine pflegerische Maßnahme nötig ist? Gibt es eine geeignete Toilette? Ein kurzer Anruf beim Restaurant, beim Gemeindehaus oder bei der Arztpraxis klärt viele dieser Fragen im Voraus. Bei Arztterminen hilft es, einen Termin am Anfang der Sprechstunde zu vereinbaren und darum zu bitten, lange Wartezeiten möglichst zu vermeiden.
Den Weg planen
Überlegen Sie, wie Sie an Ihr Ziel kommen: im eigenen, entsprechend ausgestatteten Fahrzeug, mit einem Fahrdienst oder in bestimmten Fällen mit einem Krankentransport. Wie der Transport zu medizinisch notwendigen Terminen organisiert und gegebenenfalls verordnet werden kann, klären Sie am besten mit Arztpraxis und Krankenkasse. Planen Sie auch die Rückfahrt ein und überlegen Sie, was passiert, wenn es früher als gedacht nach Hause gehen muss.
Wetter und Jahreszeit berücksichtigen
Hitze, Kälte, Regen oder starker Wind können für beatmete Menschen anstrengend sein und auch die Technik belasten. Werfen Sie am Vortag einen Blick auf die Wettervorhersage und halten Sie einen Plan B bereit, etwa ein überdachtes Ziel oder einen anderen Termin. Im Winter brauchen Atemwege und Geräte oft besonderen Schutz, im Sommer sind Schatten und ausreichend Flüssigkeit wichtig. Was im Einzelfall zu beachten ist, besprechen Sie mit dem Pflegeteam.
Was mitkommen sollte
Welche Ausstattung unterwegs gebraucht wird, legen Sie gemeinsam mit dem Pflegeteam fest. Eine Checkliste hilft, nichts zu vergessen. Häufig gehören dazu:
- Beatmungsgerät mit voll geladenen Akkus und gegebenenfalls Ersatzakku
- mobiles Absauggerät mit Zubehör
- Ersatzkanüle und Notfallset nach ärztlicher Festlegung
- Beatmungsbeutel
- Sauerstoff, falls verordnet, mit ausreichendem Vorrat
- Medikamente für die Dauer des Ausflugs plus Reserve
- Notfallplan, Medikamentenplan und aktuelle Arztbriefe
- wichtige Telefonnummern, zum Beispiel von Pflegedienst, Hausarzt und Gerätelieferant
- Wechselkleidung, Decke, Getränke und eventuell Sondennahrung
Prüfen Sie vor dem Losfahren gemeinsam mit der Pflegefachkraft, ob alles vollständig und funktionsfähig ist. Gerade die Akkulaufzeit wird schnell unterschätzt, wenn sich ein Termin verzögert.
Wer begleitet?
Bei beatmeten Menschen ist es wichtig, dass unterwegs jemand dabei ist, der mit Gerät, Absaugung und Notfallmaßnahmen sicher umgehen kann. Häufig begleitet eine Pflegefachkraft aus dem vertrauten Team. Ob zusätzlich Angehörige mitfahren und wer welche Aufgabe übernimmt, sollte vorher klar abgesprochen sein: Wer kümmert sich um das Gerät, wer um den Rollstuhl, wer um Gepäck und Organisation? Klare Rollen geben Sicherheit, gerade wenn es einmal hektisch wird.
Familienfeiern entspannt erleben
Feste sind etwas Besonderes, aber oft auch laut, voll und lang. Einige Ideen, damit sich Ihr Angehöriger wohlfühlt:
- Einen ruhigen Platz wählen, etwas abseits von Lautsprechern und Durchgangswegen.
- Einen Rückzugsraum vereinbaren, in dem in Ruhe abgesaugt oder gelagert werden kann.
- Gäste vorher kurz informieren, damit niemand erschrickt und alle wissen, wie man sich am besten verständigt.
- Nicht die ganze Feier einplanen. Oft ist es schöner, zum Kaffee oder zum Anschneiden der Torte da zu sein und dann entspannt nach Hause zu fahren.
- Auf Temperatur und Zugluft achten, besonders bei Feiern im Freien.
Manche Familien entscheiden sich auch, die Feier ganz oder teilweise nach Hause zu verlegen. Auch das kann eine schöne Lösung sein, wenn der Weg zu anstrengend wäre.
Klein anfangen
Wenn Sie lange nicht unterwegs waren, beginnen Sie mit kurzen Wegen: eine Runde um den Block, ein Besuch im nahegelegenen Park oder ein kurzer Abstecher zu Freunden. So sammeln alle Beteiligten Erfahrung und gewinnen Sicherheit. Nach jedem Ausflug lohnt sich ein kurzer Rückblick: Was hat gut geklappt, was sollte beim nächsten Mal anders laufen? Mit jeder Unternehmung wächst die Routine.
Wenn unterwegs etwas nicht stimmt
Auch bei bester Planung kann sich der Zustand unterwegs verändern. Wichtig ist, dass alle Begleitpersonen den Notfallplan kennen und wissen, wann die Unternehmung abgebrochen und wann der Rettungsdienst gerufen wird. Das sollte vorab mit dem Behandlungsteam festgelegt werden. Ein abgebrochener Ausflug ist kein Scheitern, sondern ein Zeichen verantwortungsvoller Begleitung.
Nach dem Ausflug: Erholung einplanen
Ein schöner Tag kann trotzdem anstrengend sein. Planen Sie für den Abend und den nächsten Tag lieber wenig ein, damit sich Ihr Angehöriger erholen kann. Das Pflegeteam achtet nach einem Ausflug besonders aufmerksam auf Atmung, Haut und Allgemeinbefinden und gibt Ihnen Rückmeldung, wie die Unternehmung verkraftet wurde. Diese Erfahrungen helfen, die nächste Planung noch besser auf die Bedürfnisse abzustimmen.
ARCHIMED in Hannover und der Region
ARCHIMED begleitet beatmete und intensivpflegebedürftige Menschen in Hannover und Umgebung, nicht nur zu Hause. Wir unterstützen Familien dabei, Arzttermine, Ausflüge und besondere Anlässe gut vorzubereiten, und stimmen gemeinsam ab, wie eine sichere Begleitung aussehen kann. Denn Lebensqualität bedeutet auch, dabei zu sein.
Häufige Fragen
Darf ein beatmeter Mensch überhaupt das Haus verlassen?
In vielen Fällen ja, wenn der Gesundheitszustand stabil ist und die Unternehmung gut vorbereitet wird. Ob ein Ausflug möglich ist, klären Sie mit dem behandelnden Arzt und dem Behandlungsteam.
Begleitet der Pflegedienst auch zu Arztterminen?
In der außerklinischen Intensivpflege ist eine Begleitung durch eine Pflegefachkraft häufig Teil der Versorgung. Wie das im Einzelfall geregelt ist, besprechen Sie am besten direkt mit Ihrem Pflegedienst.
Wie lange vorher sollte ich einen Ausflug planen?
Das hängt vom Vorhaben ab. Für eine Familienfeier oder einen längeren Ausflug lohnt es sich, einige Tage oder Wochen vorher mit der Planung zu beginnen.
Was ist, wenn der Akku des Beatmungsgeräts unterwegs knapp wird?
Deshalb gehören geladene Ersatzakkus und Informationen zu Lademöglichkeiten fest zur Planung. Wie lange die Akkus reichen, sollte vor jedem Ausflug geprüft werden.
Sie möchten einen Ausflug oder Termin mit Intensivpflege planen? ARCHIMED ist gern für Sie da: 0511 / 8982332 · intensiv@archi-med.de.