Eine Krebsdiagnose verändert das Leben von einem Tag auf den anderen, für die Betroffenen und für die ganze Familie. Viele Menschen möchten auch während einer Chemotherapie, Bestrahlung oder nach einer Operation so viel Zeit wie möglich in ihrer vertrauten Umgebung verbringen. Pflege bei Krebs zu Hause bedeutet, den Alltag zwischen Klinikterminen, Erschöpfung und Hoffnung so zu gestalten, dass Kraft für die Behandlung und für die schönen Momente bleibt. Dieser Ratgeber richtet sich an Menschen, die sich in einer aktiven Therapie befinden oder sich davon erholen, und an ihre Angehörigen.
Wir zeigen, welche Beschwerden häufig auftreten, wie Sie im Alltag unterstützen können, worauf Sie bei Infektionen achten sollten und wann ein Pflegedienst eine sinnvolle Hilfe ist. Für die Begleitung in der letzten Lebensphase finden Sie eigene Hinweise in unserem Beitrag zur Palliativpflege zu Hause.
Was Pflege bei Krebs zu Hause ausmacht
Jede Krebserkrankung und jede Therapie ist anders. Manche Menschen kommen weitgehend allein zurecht und brauchen nur an einzelnen Tagen Unterstützung. Andere sind nach einer großen Operation oder in intensiven Behandlungsphasen über Wochen auf Hilfe angewiesen. Gute Pflege orientiert sich deshalb immer am aktuellen Befinden und an den Wünschen der betroffenen Person. Wichtig ist eine enge Abstimmung mit dem behandelnden onkologischen Team, dem Hausarzt und allen, die im Alltag helfen. Die Entscheidungen über die Behandlung trifft der Patient gemeinsam mit seinen Ärzten.
Häufige Beschwerden während und nach der Therapie
Erschöpfung und Müdigkeit
Viele Betroffene erleben eine tiefe Erschöpfung, die sich durch Schlaf kaum bessert. Fachleute sprechen von Fatigue. Hilfreich sind ein ruhiger Tagesrhythmus, kurze Ruhepausen und kleine, dosierte Aktivitäten wie ein Spaziergang. Planen Sie anstrengende Dinge für Tageszeiten, zu denen erfahrungsgemäß mehr Energie da ist, und nehmen Sie Hilfe bei Einkauf oder Haushalt an.
Übelkeit und Appetitlosigkeit
Übelkeit gehört zu den Beschwerden, die viele Patienten besonders belasten. Gegen Übelkeit verordnet das Behandlungsteam oft Medikamente, die genau nach Plan eingenommen werden sollten. Im Alltag helfen mehrere kleine Mahlzeiten, leichte Speisen, die gut riechen und gut vertragen werden, und Getränke in kleinen Schlucken. Starke Essensgerüche in der Wohnung lassen sich durch Lüften vermeiden. Wenn das Gewicht deutlich sinkt, sprechen Sie das Behandlungsteam an. Weitere Tipps finden Sie in unserem Beitrag zur Mangelernährung.
Mund und Schleimhäute
Manche Therapien greifen die Mundschleimhaut an. Es kann zu Trockenheit, wunden Stellen oder Geschmacksveränderungen kommen. Eine sanfte, regelmäßige Mundpflege mit weicher Zahnbürste, ausreichend Flüssigkeit und der Verzicht auf sehr scharfe, saure oder heiße Speisen können entlasten. Welche Mundspüllösungen geeignet sind, klären Sie am besten mit dem Behandlungsteam.
Haut, Haare und Körpergefühl
Bestrahlung und manche Medikamente machen die Haut empfindlich. Milde Pflegeprodukte, lockere Kleidung und Schutz vor starker Sonne tun gut. Ein möglicher Haarverlust ist für viele ein schwerer Einschnitt. Nehmen Sie diese Gefühle ernst. Mützen, Tücher oder eine Perücke können helfen, sich wieder wohler zu fühlen.
Schmerzen
Schmerzen sollten nicht einfach ausgehalten werden. Beobachten Sie, wann und wie stark sie auftreten, und teilen Sie das dem Arzt mit. Verordnete Schmerzmittel wirken am besten, wenn sie zuverlässig nach Plan genommen werden. Mehr dazu lesen Sie in unserem Ratgeber zum Schmerzmanagement zu Hause.
Infektionen vorbeugen und Warnzeichen kennen
Während einer Chemotherapie kann die körpereigene Abwehr deutlich geschwächt sein. Dann ist ein umsichtiger Umgang mit Hygiene besonders wichtig:
- gründliches Händewaschen für alle im Haushalt, vor allem vor dem Essen und nach dem Toilettengang,
- Besuche von Menschen mit Erkältung oder Magen-Darm-Infekt möglichst verschieben,
- Lebensmittel frisch zubereiten und gut durchgaren, Hinweise des Behandlungsteams zur Ernährung beachten,
- Wunden, Katheter oder einen Port sauber und trocken halten und nur nach Anleitung versorgen.
Fragen Sie das Behandlungsteam, ab welcher Temperatur Sie sich melden sollen und wen Sie auch nachts oder am Wochenende erreichen. Notieren Sie diese Nummer gut sichtbar. Fieber, Schüttelfrost, neue Atemnot oder eine gerötete, schmerzende Einstichstelle sollten Sie immer umgehend ärztlich abklären lassen.
Den Alltag zwischen den Terminen organisieren
Zwischen Klinik, Praxis, Labor und Apotheke kommen schnell viele Termine zusammen. Ein gemeinsamer Kalender, eine Mappe mit Befunden, Medikamentenplan und wichtigen Telefonnummern sowie eine feste Ansprechperson in der Familie schaffen Ordnung. Für Fahrten zu Behandlungen, etwa in eine Klinik in Hannover, lohnt es sich, frühzeitig zu klären, wer begleitet und wie die Rückfahrt organisiert wird, denn nach einer Therapie fühlen sich viele Patienten zu schwach zum Autofahren. Nehmen Sie Hilfsangebote von Freunden und Nachbarn konkret an, zum Beispiel für Einkäufe oder Mahlzeiten.
Seelische Begleitung für Betroffene und Familie
Angst, Wut, Hoffnung und Traurigkeit wechseln sich oft ab. Es hilft, darüber sprechen zu dürfen, ohne immer stark sein zu müssen. Hören Sie zu, fragen Sie nach, was gerade guttut, und akzeptieren Sie auch, wenn jemand einmal nicht reden möchte. Krebsberatungsstellen, psychoonkologische Angebote der Kliniken und Selbsthilfegruppen in Hannover und der Region bieten Unterstützung für Patienten und Angehörige. Auch pflegende Angehörige brauchen Pausen, Anregungen dazu finden Sie in unserem Beitrag Pflegende Angehörige entlasten.
Wann ein Pflegedienst unterstützen kann
Pflege bei Krebs zu Hause muss nicht allein von der Familie getragen werden. Ein Pflegedienst kann bei der Körperpflege helfen, wenn die Kraft fehlt, und medizinische Aufgaben übernehmen, etwa Wundversorgung nach einer Operation, die Versorgung eines Ports, Injektionen oder das Stellen und Verabreichen von Medikamenten. Diese Leistungen gehören zur Behandlungspflege und setzen in der Regel eine ärztliche Verordnung voraus. Sprechen Sie Ihren Hausarzt oder das Behandlungsteam darauf an, gerade nach der Entlassung aus der Klinik.
Pflege bei Krebs zu Hause mit ARCHIMED in Hannover
ARCHIMED begleitet Menschen in Hannover, zum Beispiel in der Südstadt, in Groß-Buchholz oder in Badenstedt, und in der Region Hannover, sowohl in der ambulanten Pflege als auch in der außerklinischen Intensivpflege. Unsere Pflegefachkräfte unterstützen bei Grund- und Behandlungspflege, achten auf Nebenwirkungen und Warnzeichen und dokumentieren sorgfältig. Wir stimmen uns eng mit Hausärzten, onkologischen Praxen und Kliniken ab und beraten Angehörige, damit sich alle sicher fühlen. Dabei richten wir uns nach dem Tempo und den Wünschen der Menschen, die wir begleiten.
Häufige Fragen
Darf mein Angehöriger während der Chemotherapie Besuch bekommen?
In vielen Fällen ja, Kontakte tun gut. Besucher sollten aber gesund sein und die Hände waschen. Ob in bestimmten Phasen besondere Vorsicht nötig ist, sagt Ihnen das Behandlungsteam.
Was ist der Unterschied zur Palliativpflege?
Pflege bei Krebs zu Hause begleitet Menschen während oder nach einer Behandlung, die meist auf Heilung oder Kontrolle der Erkrankung ausgerichtet ist. Palliativpflege steht im Vordergrund, wenn Linderung und Lebensqualität das wichtigste Ziel sind.
Wie kann ich helfen, wenn mein Angehöriger kaum isst?
Bieten Sie kleine Portionen und Lieblingsspeisen an, ohne Druck. Halten Sie Gewicht und Beschwerden fest und sprechen Sie frühzeitig mit dem Behandlungsteam.
Wann sollte ich sofort 112 rufen?
Bei starker Atemnot, Brustschmerzen, Bewusstlosigkeit, starken Blutungen, plötzlicher Verwirrtheit oder wenn Ihr Angehöriger mit Fieber sehr krank wirkt und das Behandlungsteam nicht erreichbar ist. Dann zählt jede Minute.
Sie möchten sich zum Thema Pflege bei Krebs zu Hause beraten lassen? ARCHIMED ist gern für Sie da: 0511 / 8982332 · intensiv@archi-med.de.