Wer viel liegt, flach atmet oder über ein Beatmungsgerät versorgt wird, hat ein erhöhtes Risiko für eine Lungenentzündung. Die Lunge wird dann nicht mehr richtig belüftet, Sekret sammelt sich, und Keime finden leichter einen Weg in die Atemwege. Für geschwächte und ältere Menschen kann eine Lungenentzündung sehr belastend sein und einen Krankenhausaufenthalt nötig machen. Umso wichtiger ist eine gute Pneumonieprophylaxe zu Hause. Viele der Maßnahmen sind einfach und lassen sich gut in den Pflegealltag einbauen.
In diesem Ratgeber erklären wir, wer besonders gefährdet ist, was im Alltag vorbeugt, welche Warnzeichen Sie kennen sollten und wann ärztliche Hilfe nötig ist.
Wer ist besonders gefährdet?
Eine Lungenentzündung, medizinisch Pneumonie, kann jeden treffen. Bei pflegebedürftigen Menschen kommen jedoch oft mehrere Risiken zusammen:
- Bettlägerigkeit oder stark eingeschränkte Bewegung,
- flache Atmung, etwa wegen Schmerzen, Schwäche oder nach einer Operation,
- Beatmung oder ein Tracheostoma,
- Schluckstörungen, bei denen Speichel, Essen oder Getränke in die Luftwege gelangen können,
- Lungenerkrankungen wie COPD,
- neurologische Erkrankungen wie Schlaganfall, Parkinson, ALS oder Multiple Sklerose,
- eine geschwächte Abwehr, Mangelernährung oder zu wenig Flüssigkeit,
- unzureichende Mundpflege.
Ob und wie stark jemand gefährdet ist, schätzen Pflegefachkräfte regelmäßig ein. Dabei hilft auch das Wissen der Angehörigen über Gewohnheiten und Veränderungen im Alltag.
Pneumonieprophylaxe zu Hause: Was wirklich hilft
Bewegung und Mobilisation
Bewegung ist eine der wirksamsten Maßnahmen. Wer aufsteht, sich an die Bettkante setzt oder ein paar Schritte geht, atmet automatisch tiefer. Auch wenn nur wenig möglich ist, zählt jede Positionsänderung. Schon das aufrechte Sitzen im Stuhl für die Mahlzeiten verbessert die Belüftung der Lunge. Wie viel Bewegung sinnvoll ist, besprechen Sie am besten mit dem Arzt, der Physiotherapie und dem Pflegeteam.
Atemübungen
Gezielte Atemübungen helfen, die Lunge gut zu belüften und Sekret zu lösen. Einfache Beispiele sind:
- bewusstes, tiefes Einatmen durch die Nase und langsames Ausatmen,
- die Lippenbremse, bei der man durch leicht geschlossene Lippen ausatmet,
- Gähnen, Seufzen oder Schnüffeln, um die Atmung anzuregen,
- Atemtrainer, wenn sie vom Arzt oder der Physiotherapie empfohlen wurden.
Wichtig ist, die Übungen regelmäßig und ohne Druck durchzuführen. Bei Lungenerkrankungen oder Beatmung lassen Sie sich die passenden Übungen bitte von Fachleuten zeigen.
Lagerung
Eine leicht erhöhte Position des Oberkörpers erleichtert das Atmen und senkt das Risiko, dass Speichel oder Nahrung in die Lunge gelangt, besonders beim Essen und bei Sondenernährung. Regelmäßige Lagewechsel sorgen dafür, dass verschiedene Lungenbereiche belüftet werden. Welche Lagerungen geeignet sind, hängt von der Erkrankung ab und sollte mit dem Pflegeteam abgestimmt werden.
Gründliche Mundpflege
Im Mund leben viele Keime. Werden sie mit dem Speichel eingeatmet, können sie eine Lungenentzündung begünstigen. Eine sorgfältige Mundpflege mehrmals täglich ist deshalb ein wichtiger Teil der Pneumonieprophylaxe zu Hause, gerade bei Menschen, die nicht selbst essen oder trinken. Praktische Hinweise finden Sie in unserem Beitrag zur Mundpflege.
Sicheres Essen und Trinken
Husten beim Essen, eine gurgelnde Stimme nach dem Trinken oder häufiges Verschlucken können auf eine Schluckstörung hinweisen. Dann ist eine ärztliche und logopädische Abklärung wichtig. Aufrechtes Sitzen, kleine Bissen, Ruhe beim Essen und genug Zeit helfen zusätzlich. Mehr dazu lesen Sie in unserem Ratgeber zu Schluckstörungen.
Ausreichend Flüssigkeit
Wer genug trinkt, hat meist flüssigeres Sekret, das sich leichter abhusten lässt. Bei Herz- oder Nierenerkrankungen klären Sie die passende Trinkmenge bitte mit dem Arzt.
Hygiene und Impfschutz
Gründliches Händewaschen, saubere Hilfsmittel und Rücksicht bei Erkältungen im Familien- und Freundeskreis schützen vor Ansteckung. Fragen Sie außerdem den Hausarzt, welche Impfungen für Ihren Angehörigen empfohlen sind.
Besonderheiten bei Beatmung und Tracheostoma
Bei beatmeten Menschen ist die natürliche Schutzfunktion der oberen Atemwege eingeschränkt. Die Atemluft wird nicht mehr wie gewohnt durch Nase und Rachen gefiltert, angewärmt und befeuchtet. Deshalb gehören eine angemessene Befeuchtung der Atemluft, ein sorgfältiger Umgang mit Kanülen und Schläuchen und ein hygienisches Absaugen zu den zentralen Aufgaben der Pflege. Auch die Oberkörperhochlagerung spielt hier eine wichtige Rolle. Diese Tätigkeiten übernehmen in der außerklinischen Intensivpflege geschulte Pflegefachkräfte. Hinweise zum Thema finden Sie in unserem Beitrag zum Absaugen und Sekretmanagement.
So lässt sich Vorbeugung in den Alltag einbauen
Viele Familien befürchten, dass Vorbeugung zusätzlichen Aufwand bedeutet. Tatsächlich lässt sich Pneumonieprophylaxe zu Hause gut mit ohnehin anstehenden Tätigkeiten verbinden. Ein paar Beispiele:
- Nach dem Aufwachen ein paar tiefe Atemzüge gemeinsam, bevor die Morgenpflege beginnt,
- Mahlzeiten möglichst aufrecht am Tisch oder im Sessel einnehmen, nicht im flachen Bett,
- Mundpflege fest nach dem Frühstück, nach dem Abendessen und vor der Nacht einplanen,
- bei Besuchen, beim Fernsehen oder beim Musikhören ein Getränk griffbereit stellen,
- kurze Wege in der Wohnung oder ein Spaziergang, etwa im Stadtpark oder an der Eilenriede, wenn Kraft und Wetter es zulassen,
- Lagewechsel mit festen Zeiten verbinden, zum Beispiel nach dem Mittagsschlaf.
Hilfreich ist ein einfacher Plan, auf dem alle Beteiligten sehen, was bereits erledigt wurde. So entlasten sich Familie und Pflegedienst gegenseitig, und nichts wird vergessen. Wichtig ist auch, sich selbst nicht zu überfordern: Nicht jede Maßnahme muss jeden Tag perfekt gelingen. Entscheidend ist, dass die Vorbeugung über Wochen und Monate verlässlich bleibt.
Warnzeichen einer Lungenentzündung
Gerade bei älteren und pflegebedürftigen Menschen verläuft eine Lungenentzündung nicht immer typisch. Fieber kann fehlen, und manchmal ist eine plötzliche Verwirrtheit das erste Zeichen. Achten Sie auf:
- Fieber, Schüttelfrost oder auch eine auffällig niedrige Körpertemperatur,
- neuen oder stärkeren Husten, verändertes oder verfärbtes Sekret,
- schnellere oder angestrengte Atmung, Atemnot,
- Schmerzen beim Atmen,
- bei Messung sinkende Sauerstoffwerte oder veränderte Werte am Beatmungsgerät,
- ungewohnte Müdigkeit, Schwäche, Appetitlosigkeit oder Verwirrtheit.
Wann Sie ärztliche Hilfe holen sollten
Wenn Ihnen solche Veränderungen auffallen, informieren Sie bitte zeitnah den Hausarzt oder außerhalb der Praxiszeiten den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117. Eine Lungenentzündung muss ärztlich abgeklärt und behandelt werden. Bei starker Atemnot, bläulichen Lippen, deutlicher Bewusstseinsveränderung oder einem schnellen Verschlechtern des Zustands wählen Sie sofort den Notruf 112. Für Familien mit beatmeten Angehörigen ist ein gut vorbereiteter Notfallplan eine große Hilfe.
Pneumonieprophylaxe zu Hause mit ARCHIMED in Hannover
ARCHIMED begleitet pflegebedürftige und beatmete Menschen in Hannover, etwa in der Südstadt, in Vahrenwald oder in Bothfeld, und in der Region Hannover, zum Beispiel in Langenhagen oder Laatzen. In der ambulanten Pflege und in der außerklinischen Intensivpflege sorgen unsere Pflegefachkräfte für Mobilisation, Atemunterstützung, Lagerung und gründliche Mundpflege. Wir beobachten Atmung und Sekret aufmerksam, erkennen Warnzeichen früh und stimmen uns eng mit Ärzten und Therapeuten ab. Angehörigen zeigen wir gern, wie sie im Alltag sicher mithelfen können.
Häufige Fragen
Was bedeutet Pneumonieprophylaxe?
Damit sind alle Maßnahmen gemeint, die einer Lungenentzündung vorbeugen, zum Beispiel Bewegung, Atemübungen, Lagerung, Mundpflege und ausreichendes Trinken.
Können Angehörige bei Atemübungen helfen?
Ja, einfache Übungen wie tiefes Durchatmen oder die Lippenbremse lassen sich gut gemeinsam machen. Welche Übungen passen, zeigen Ihnen Physiotherapie oder Pflegeteam.
Warum ist Mundpflege so wichtig?
Keime aus dem Mund können mit dem Speichel in die Lunge gelangen. Eine gründliche Mundpflege senkt dieses Risiko.
Hat eine Lungenentzündung immer Fieber?
Nein, besonders bei älteren Menschen kann Fieber fehlen. Achten Sie auch auf Atemnot, Husten, Schwäche oder plötzliche Verwirrtheit.
Sie möchten sich zum Thema Pneumonieprophylaxe zu Hause beraten lassen? ARCHIMED ist gern für Sie da: 0511 / 8982332 · intensiv@archi-med.de.