Mundpflege in der häuslichen Intensivpflege: Sanft, sicher und mit Gefühl

Mundpflege in der häuslichen Intensivpflege: Sanft, sicher und mit Gefühl

Ein frischer Mund, saubere Zähne, Lippen, die nicht spannen: Was für die meisten Menschen selbstverständlich ist, wird in der häuslichen Intensivpflege zu einer wichtigen Pflegeaufgabe. Wer beatmet wird, über eine Sonde ernährt wird oder nicht mehr sicher schlucken kann, ist auf Unterstützung angewiesen, oft mehrmals am Tag. Beim Thema Mundpflege Intensivpflege zu Hause geht es deshalb um weit mehr als um Wohlbefinden. Eine gute Mundpflege schützt die Schleimhäute, beugt Entzündungen vor und kann helfen, das Risiko von Infektionen der Atemwege zu verringern.

In diesem Ratgeber erklären wir, warum die Mundpflege gerade bei Beatmung, Sondenernährung und Schluckstörungen so wichtig ist, wie Pflegefachkräfte dabei vorgehen, auf welche Veränderungen Sie achten sollten und wie Sie als Angehörige unterstützen können.

Mundpflege Intensivpflege: Warum sie so wichtig ist

Im gesunden Alltag reinigt sich der Mund zu einem guten Teil selbst. Kauen, Schlucken, Sprechen und der Speichelfluss sorgen dafür, dass Speisereste und Bakterien nicht lange liegen bleiben. Fallen diese Funktionen weg, verändert sich das empfindliche Gleichgewicht im Mund. Die Schleimhaut trocknet aus, Beläge bilden sich schneller, und Keime können sich leichter vermehren.

Für Menschen in der häuslichen Intensivpflege kann das unangenehme Folgen haben: Mundtrockenheit, rissige Lippen, Pilzbefall, Entzündungen des Zahnfleischs oder schmerzhafte Stellen an der Schleimhaut. Hinzu kommt, dass Keime aus dem Mund-Rachen-Raum in die unteren Atemwege gelangen können. Eine sorgfältige Mundpflege ist deshalb ein fester Bestandteil der Infektionsvorbeugung, eng verbunden mit der allgemeinen Hygiene in der häuslichen Intensivpflege.

Und nicht zuletzt geht es um Lebensqualität. Ein gepflegter Mund fühlt sich gut an, ermöglicht leichteres Sprechen, soweit das möglich ist, und erhält ein Stück Würde und Normalität.

Besondere Situationen: Beatmung, Sonde und Schluckstörung

Mundpflege bei Beatmung und Tracheostoma

Bei einer Beatmung über eine Trachealkanüle atmen Betroffene meist nicht mehr durch Mund und Nase. Dadurch fehlt die natürliche Befeuchtung, und die Mundschleimhaut trocknet besonders leicht aus. Bei einer Maskenbeatmung kann der Luftstrom den Mund ebenfalls austrocknen. Die Pflegefachkräfte achten hier auf regelmäßige Befeuchtung, schonende Reinigung und gute Lippenpflege. Gleichzeitig behalten sie im Blick, dass bei der Mundpflege keine Flüssigkeit in die Atemwege gelangt. Oft wird dabei der Oberkörper erhöht gelagert und, wenn nötig, Sekret aus dem Mund abgesaugt.

Mundpflege bei Sondenernährung

Wer über eine Sonde ernährt wird, kaut nicht mehr. Damit fehlt ein wichtiger Reiz für den Speichelfluss. Viele Angehörige denken, dass ohne Essen auch keine Zahnpflege nötig sei, doch das Gegenteil ist der Fall: Beläge bilden sich trotzdem, und der Mund braucht eher mehr Aufmerksamkeit als weniger. Mehr zur Ernährung über die Sonde lesen Sie in unserem Beitrag zur Sondenernährung in der Intensivpflege zu Hause.

Mundpflege bei Schluckstörungen

Bei einer Schluckstörung besteht die Gefahr, dass Flüssigkeit oder Speichel in die Luftröhre gelangt. Deshalb muss die Mundpflege so gestaltet werden, dass möglichst wenig Flüssigkeit im Mund bleibt. Häufig werden leicht angefeuchtete Tupfer statt viel Wasser verwendet, und die Zahnpasta wird sparsam dosiert. Wie die Pflege im Einzelfall aussieht, stimmt das Pflegeteam mit dem Arzt und gegebenenfalls mit der Logopädie ab.

Wie die Mundpflege im Alltag abläuft

Eine gute Mundpflege folgt einer gewissen Routine, wird aber immer an den Menschen angepasst. Wie oft sie stattfindet, hängt vom Zustand des Mundes und von der jeweiligen Situation ab. In der Intensivpflege geschieht das in der Regel mehrmals täglich. Typische Bestandteile sind:

  • Ansehen des Mundes mit einer kleinen Lampe, um Beläge, Rötungen oder wunde Stellen früh zu erkennen.
  • Zähneputzen mit einer weichen Zahnbürste, auch bei Menschen, die nicht mehr essen.
  • Reinigung von Zunge, Wangentaschen und Gaumen mit geeigneten Tupfern oder Schaumstoffstäbchen.
  • Befeuchtung der Schleimhaut mit Mitteln, die das ärztliche Team oder die Pflegefachkraft empfiehlt.
  • Pflege der Lippen, damit sie nicht einreißen.
  • Reinigung einer Zahnprothese, falls vorhanden, und Kontrolle, ob sie noch gut sitzt.

Welche Mittel verwendet werden, ist nicht beliebig. Manche Produkte trocknen die Schleimhaut zusätzlich aus oder sind für Menschen mit Schluckstörung ungeeignet. Medizinische Mundspüllösungen oder Medikamente, etwa gegen Pilzbefall, werden nur nach ärztlicher Anordnung eingesetzt.

Mundpflege in der Intensivpflege mit Gefühl

Der Mund ist ein sehr persönlicher und empfindlicher Bereich. Viele Menschen empfinden es als unangenehm, wenn jemand anderes dort hineingreift, besonders wenn sie sich nicht mehr gut mitteilen können. Manche reagieren mit Zusammenbeißen der Zähne oder Abwehr. Das ist verständlich und kein Zeichen von Widerspenstigkeit.

Erfahrene Pflegefachkräfte gehen deshalb behutsam vor. Sie kündigen jeden Schritt an, auch wenn unklar ist, wie viel der Mensch versteht. Sie beginnen außen, etwa an den Lippen oder Wangen, und arbeiten sich langsam vor. Sie lassen Pausen zu und achten auf Zeichen von Stress. Vertraute Gewohnheiten, etwa der Geschmack der eigenen Zahnpasta, können helfen, Vertrauen aufzubauen. Wenn ein Mensch selbst noch mithelfen kann, wird er so weit wie möglich einbezogen.

Warnzeichen, die Sie kennen sollten

Angehörige verbringen oft die meiste Zeit mit dem Menschen, den sie lieben, und bemerken Veränderungen manchmal als Erste. Achten Sie auf folgende Hinweise und sprechen Sie das Pflegeteam darauf an:

  • weißliche Beläge, die sich nicht leicht abwischen lassen,
  • gerötete, geschwollene oder blutende Stellen an Zahnfleisch oder Schleimhaut,
  • Bläschen, offene Stellen oder Einrisse an den Mundwinkeln,
  • auffälliger Mundgeruch, der neu auftritt,
  • Anzeichen von Schmerzen, etwa Abwehr bei der Mundpflege, die vorher nicht da war,
  • lockere oder abgebrochene Zähne oder eine Prothese, die drückt.

Das Pflegeteam dokumentiert solche Beobachtungen und informiert bei Bedarf den Hausarzt. Ob eine Behandlung nötig ist, entscheidet der Arzt. Auch ein Zahnarzt kann hinzugezogen werden. In Hannover und der Region gibt es Zahnarztpraxen, die Hausbesuche anbieten. Fragen Sie gern bei uns nach, wir helfen bei der Suche.

Was Angehörige beitragen können

Die Mundpflege liegt in der Intensivpflege in der Verantwortung der Pflegefachkräfte. Dennoch können Angehörige einen wertvollen Beitrag leisten. Sie wissen am besten, welche Gewohnheiten der Mensch früher hatte, welchen Geschmack er mag und was ihn beruhigt. Teilen Sie dieses Wissen mit dem Pflegeteam.

Wenn Sie selbst bei der Mundpflege helfen möchten, lassen Sie sich die einzelnen Schritte von einer Pflegefachkraft zeigen. Gerade bei Beatmung oder Schluckstörung kommt es auf die richtige Lagerung und wenig Flüssigkeit an. Sorgen Sie außerdem dafür, dass Zahnbürsten regelmäßig erneuert und Hilfsmittel sauber aufbewahrt werden. Kleine Dinge wie ein Lippenpflegestift auf dem Nachttisch machen im Alltag einen Unterschied.

ARCHIMED in Hannover und der Region

ARCHIMED begleitet Menschen in der außerklinischen Intensivpflege in Hannover, zum Beispiel in Linden, List oder Kleefeld, und in der gesamten Region Hannover. Für unsere Pflegefachkräfte gehört eine sorgfältige Mundpflege selbstverständlich zur täglichen Versorgung, bei Beatmung ebenso wie bei Sondenernährung oder Schluckstörungen. Wir arbeiten eng mit Hausärzten, Fachärzten, Logopäden und Zahnärzten zusammen und beziehen Angehörige von Anfang an mit ein. Fragen rund um das Thema Mundpflege Intensivpflege beantworten wir gern auch im persönlichen Gespräch.

Häufige Fragen

Wie oft ist Mundpflege in der Intensivpflege nötig?

Das hängt von der Situation ab. In der Regel findet die Mundpflege mehrmals täglich statt, bei Mundtrockenheit oder starker Belagbildung auch häufiger. Das Pflegeteam passt die Abstände an den Zustand des Mundes an.

Müssen die Zähne auch geputzt werden, wenn jemand nicht mehr isst?

Ja. Auch ohne Essen bilden sich Beläge auf den Zähnen. Gerade bei Sondenernährung ist eine regelmäßige Zahnpflege wichtig, um Entzündungen vorzubeugen.

Was tun, wenn mein Angehöriger die Mundpflege abwehrt?

Abwehr ist häufig ein Zeichen von Unsicherheit, Unbehagen oder Schmerzen. Ruhiges Vorgehen, Ankündigen der Schritte und Pausen helfen oft. Wenn die Abwehr neu auftritt, sollte das Pflegeteam prüfen, ob Schmerzen oder eine Veränderung im Mund dahinterstecken.

Darf ich bei einer Schluckstörung Wasser zur Mundpflege verwenden?

Nur sehr sparsam und so, wie es Ihnen das Pflegeteam gezeigt hat. Bei einer Schluckstörung kann Flüssigkeit in die Atemwege gelangen. Leicht angefeuchtete Tupfer sind meist die bessere Wahl.

Sie haben Fragen zur Mundpflege oder zur Intensivpflege zu Hause? ARCHIMED ist gern für Sie da: 0511 / 8982332 · intensiv@archi-med.de.

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