Schmerzmanagement zu Hause in Hannover: Schmerzen erkennen und lindern

Schmerzmanagement zu Hause in Hannover: Schmerzen erkennen und lindern

Ein verzogenes Gesicht beim Umlagern, ein leises Stöhnen in der Nacht, plötzliche Unruhe oder ein Rückzug, den man sich nicht erklären kann: Schmerzen zeigen sich nicht immer so deutlich, wie man es erwarten würde. Viele pflegebedürftige Menschen sprechen ihre Beschwerden nicht aus, weil sie niemandem zur Last fallen wollen, weil sie Schmerzen für einen normalen Teil des Alters halten oder weil sie sich wegen einer Demenz oder einer Beatmung schlicht nicht mehr verständlich machen können. Gutes Schmerzmanagement zu Hause beginnt deshalb mit aufmerksamem Hinsehen und einer guten Zusammenarbeit zwischen Familie, Pflegedienst und Arzt.

In diesem Ratgeber erklären wir, woran Sie Schmerzen erkennen, auch wenn jemand nicht darüber sprechen kann, wie ein Schmerztagebuch hilft und was Sie im Alltag tun können, damit sich Ihr Angehöriger wohler fühlt.

Warum Schmerzen in der Pflege oft übersehen werden

Schmerzen sind sehr persönlich. Jeder Mensch empfindet und zeigt sie anders. Manche klagen schon bei kleinen Beschwerden, andere beißen lange die Zähne zusammen. Gerade ältere Menschen sind oft mit dem Gedanken aufgewachsen, dass man nicht jammert. Hinzu kommt, dass viele Pflegebedürftige gleich mehrere Erkrankungen haben, zum Beispiel Arthrose, Wunden, Nervenschmerzen, Verstopfung oder Folgen eines Schlaganfalls. Die Beschwerden überlagern sich, und es ist nicht immer klar, was gerade wehtut.

Unbehandelte Schmerzen haben Folgen. Wer Schmerzen hat, bewegt sich weniger, schläft schlechter, isst weniger und zieht sich zurück. Das erhöht wiederum das Risiko für Stürze, Druckgeschwüre und Versteifungen der Gelenke. Bei Menschen mit Demenz können Schmerzen außerdem zu Unruhe, Aggression oder Verwirrtheit führen, die dann leicht als Teil der Erkrankung missverstanden werden.

Schmerzmanagement zu Hause: Schmerzen erkennen

Wenn Ihr Angehöriger sprechen kann

Fragen Sie regelmäßig und konkret nach, nicht nur einmal am Tag mit einem schnellen „Geht’s dir gut?“. Hilfreicher sind Fragen wie: Wo tut es weh? Seit wann? Ist der Schmerz eher dumpf, stechend oder brennend? Wird er bei Bewegung stärker oder in Ruhe? Viele Pflegefachkräfte arbeiten mit einer einfachen Skala von 0 bis 10, wobei 0 „kein Schmerz“ und 10 „stärkster vorstellbarer Schmerz“ bedeutet. So lassen sich Veränderungen über die Zeit gut vergleichen. Für manche Menschen sind Bilder mit Gesichtern leichter zu verstehen als Zahlen.

Wenn Worte fehlen: Demenz, Beatmung, schwere Erkrankung

Menschen mit fortgeschrittener Demenz, nach einem schweren Schlaganfall oder mit Beatmung über ein Tracheostoma können Schmerzen oft nicht in Worte fassen. Dann ist der Körper die wichtigste Informationsquelle. Achten Sie auf:

  • Gesichtsausdruck: gerunzelte Stirn, zusammengekniffene Augen, verzerrter Mund,
  • Laute wie Stöhnen, Seufzen, Wimmern oder Rufen,
  • Körperhaltung: Schonhaltung, angespannte Muskeln, angezogene Beine, Festhalten an einer Körperstelle,
  • Abwehr bei Berührung, beim Waschen oder beim Lagern,
  • Unruhe, Nesteln, häufiges Hin- und Herbewegen oder auffälliger Rückzug,
  • Veränderungen bei Schlaf, Appetit oder Stimmung,
  • bei beatmeten Menschen auch schnellerer Puls, Schwitzen oder Unruhe gegen das Beatmungsgerät.

Für Menschen mit Demenz gibt es spezielle Beobachtungsbögen, etwa die sogenannte BESD-Skala, mit denen Pflegefachkräfte Schmerzen strukturiert einschätzen können. Angehörige sind dabei unersetzlich, denn niemand kennt die Mimik und die Gewohnheiten eines Menschen so gut wie die Familie. Wenn Ihnen etwas „anders als sonst“ vorkommt, nehmen Sie dieses Gefühl ernst. Weitere Hinweise zur Verständigung finden Sie in unseren Beiträgen zur Pflege bei Demenz und zur Kommunikation bei Beatmung.

Das Schmerztagebuch: kleine Notizen mit großer Wirkung

Ärzte sehen Ihren Angehörigen meist nur für kurze Zeit. Was zwischen den Besuchen passiert, wissen Sie und das Pflegeteam am besten. Ein Schmerztagebuch hilft, diese Beobachtungen festzuhalten. Es muss nicht kompliziert sein. Ein Heft oder ein einfacher Bogen reicht. Notieren Sie zum Beispiel:

  • Datum und Uhrzeit,
  • wo der Schmerz auftritt und wie stark er ist oder wirkt,
  • in welcher Situation er auftrat, etwa beim Aufstehen, Essen oder Lagern,
  • welche Medikamente wann gegeben wurden, so wie verordnet,
  • was geholfen hat und was nicht,
  • Auffälligkeiten wie Müdigkeit, Übelkeit, Verstopfung oder Verwirrtheit.

Mit diesen Notizen kann der Arzt viel besser einschätzen, ob die Behandlung passt oder angepasst werden sollte. Bringen Sie das Tagebuch zu Arztterminen mit oder legen Sie es beim Hausbesuch bereit.

Zusammenarbeit mit dem Arzt

Die Behandlung von Schmerzen gehört in ärztliche Hände. Nur der Arzt entscheidet, welche Medikamente in welcher Form und Menge geeignet sind. Bitte verändern Sie Dosierungen nicht selbst, lassen Sie keine Tabletten weg und geben Sie keine zusätzlichen Mittel aus der Hausapotheke, ohne vorher Rücksprache zu halten. Auch frei verkäufliche Schmerzmittel können Nebenwirkungen haben und sich mit anderen Medikamenten nicht vertragen.

Wichtig für das Gespräch mit dem Arzt sind diese Punkte:

  • Wie gut wirkt die aktuelle Behandlung, und reicht die Wirkung bis zur nächsten Gabe?
  • Gibt es eine Bedarfsmedikation für Schmerzspitzen, und wann darf sie gegeben werden?
  • Welche Nebenwirkungen sind möglich, und worauf sollen Sie achten?
  • Was tun, wenn die Schmerzen am Wochenende oder nachts stärker werden?

Außerhalb der Praxiszeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Rufnummer 116117. Bei plötzlichen, sehr starken Schmerzen, Brustschmerzen, Atemnot oder einem deutlich veränderten Bewusstsein rufen Sie bitte sofort den Notruf 112. Bei schweren, fortschreitenden Erkrankungen kann auch eine palliative Begleitung sinnvoll sein. Mehr dazu lesen Sie in unserem Ratgeber zur Palliativpflege zu Hause.

Was im Alltag zusätzlich lindern kann

Zum Schmerzmanagement zu Hause gehört neben der ärztlichen Behandlung vieles, was das Wohlbefinden stärkt. Diese Maßnahmen ersetzen keine Therapie, können sie aber gut ergänzen.

Bequeme Lagerung und sanfte Bewegung

Eine gute Lagerung mit Kissen, die Arme, Beine und Rücken entlasten, kann Schmerzen spürbar verringern. Regelmäßige, behutsame Positionswechsel beugen Druckstellen und Verspannungen vor. Auch leichte Bewegung, so wie Arzt und Physiotherapie es empfehlen, hält Gelenke geschmeidig.

Ruhe, Zeit und Zuwendung

Hektik verstärkt Schmerzen. Kündigen Sie Berührungen an, bewegen Sie langsam und geben Sie Zeit. Vertraute Stimmen, Lieblingsmusik, eine Hand, die gehalten wird, oder ein ruhiges Gespräch können Anspannung lösen und Angst nehmen, die Schmerzen oft verstärkt.

Wärme, Kälte und Massage nur nach Rücksprache

Wärme oder Kühlung empfinden viele Menschen als angenehm. Bei empfindlicher Haut, Durchblutungsstörungen, Diabetes oder eingeschränktem Empfinden besteht jedoch die Gefahr von Verletzungen. Klären Sie solche Anwendungen deshalb vorher mit dem Arzt oder dem Pflegeteam.

Schmerzen vorausdenken

Wenn bekannt ist, dass bestimmte Tätigkeiten wie Körperpflege, Verbandswechsel oder Mobilisation wehtun, kann man sie gemeinsam mit dem Arzt so planen, dass die verordnete Schmerzbehandlung rechtzeitig wirkt.

Schmerzmanagement zu Hause mit ARCHIMED in Hannover

ARCHIMED begleitet pflegebedürftige Menschen in Hannover, etwa in Linden, in der List oder in Döhren, und in der Region Hannover, sowohl in der ambulanten Pflege als auch in der außerklinischen Intensivpflege. Unsere Pflegefachkräfte beobachten Schmerzen regelmäßig und strukturiert, auch bei Menschen, die sich nicht mehr äußern können. Wir dokumentieren unsere Beobachtungen, geben verordnete Medikamente zuverlässig und stimmen uns eng mit Hausärzten und Fachärzten ab. Angehörige beziehen wir aktiv ein, denn ihre Beobachtungen sind oft der wichtigste Hinweis.

Häufige Fragen

Woran erkenne ich Schmerzen bei einem Menschen mit Demenz?

Achten Sie auf Mimik, Laute, Schonhaltung, Abwehr bei Berührung und plötzliche Verhaltensänderungen wie Unruhe oder Rückzug. Im Zweifel sollte der Arzt mögliche Schmerzursachen abklären.

Darf ich Schmerzmittel selbst geben oder anpassen?

Geben Sie Medikamente nur so, wie der Arzt sie verordnet hat. Änderungen an Dosis oder Zeitpunkt und zusätzliche Mittel sollten immer vorher ärztlich besprochen werden.

Wozu brauche ich ein Schmerztagebuch?

Es zeigt dem Arzt, wann und wie stark Schmerzen auftreten und was hilft. So lässt sich die Behandlung gezielter anpassen.

Wann muss ich den Notruf wählen?

Bei plötzlichen, sehr starken Schmerzen, Brustschmerzen, Atemnot oder Bewusstseinsveränderungen wählen Sie sofort die 112.

Sie möchten sich zum Thema Schmerzmanagement zu Hause beraten lassen? ARCHIMED ist gern für Sie da: 0511 / 8982332 · intensiv@archi-med.de.

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