Ein künstlicher Darm- oder Blasenausgang verändert das Leben, oft ganz plötzlich. Manche Menschen wissen schon vor einer geplanten Operation, dass sie ein Stoma bekommen, andere erfahren es erst nach einem Notfalleingriff. In beiden Fällen tauchen viele Fragen auf: Wie wechsle ich den Beutel? Was ist, wenn die Haut gereizt ist? Kann ich weiter arbeiten, reisen, Sport treiben? Die Stomaversorgung zu Hause wirkt am Anfang ungewohnt und manchmal beängstigend. Mit etwas Übung, guter Anleitung und den passenden Hilfsmitteln wird sie für viele Betroffene jedoch nach und nach zur Routine.
In diesem Ratgeber erklären wir, welche Arten von Stoma es gibt, wie die tägliche Versorgung gelingt, worauf Sie bei der Haut achten sollten, wie Angehörige unterstützen können und wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten.
Was ist ein Stoma?
Ein Stoma ist eine operativ angelegte Öffnung in der Bauchdecke, über die Stuhl oder Urin nach außen abgeleitet wird. Gesammelt werden die Ausscheidungen in einem Beutel, der mit einer hautfreundlichen Haftplatte um das Stoma befestigt wird. Ein Stoma kann vorübergehend oder dauerhaft angelegt sein, je nach Erkrankung und Behandlung.
Die drei häufigsten Formen
- Kolostomie: Der Ausgang liegt am Dickdarm. Der Stuhl ist meist eher fest bis breiig.
- Ileostomie: Der Ausgang liegt am Dünndarm. Die Ausscheidungen sind flüssiger und enthalten Verdauungssäfte, die die Haut reizen können.
- Urostomie: Hier wird der Urin über ein Stoma abgeleitet, zum Beispiel nach einer Operation an der Harnblase.
Welche Form vorliegt, beeinflusst die Wahl des Beutels, die Häufigkeit des Wechsels und die Pflege der Haut. Lassen Sie sich deshalb genau erklären, welches Stoma angelegt wurde und welche Besonderheiten dazugehören.
Der Übergang vom Krankenhaus nach Hause
Im Krankenhaus zeigen Pflegefachkräfte und häufig speziell ausgebildete Stomatherapeutinnen und Stomatherapeuten die ersten Handgriffe. Es ist völlig normal, wenn die ersten Wechsel länger dauern oder nicht auf Anhieb gelingen.
Hilfreich ist es, schon vor der Entlassung zu klären, wer die Versorgung mit Stomaartikeln übernimmt und wer bei Fragen ansprechbar ist. Oft begleitet ein Homecare-Unternehmen oder ein Sanitätshaus die ersten Wochen, und ein ambulanter Pflegedienst kann beim Wechsel unterstützen, wenn dies ärztlich verordnet ist. Mehr zu medizinischen Leistungen im häuslichen Umfeld lesen Sie in unserem Beitrag zur Behandlungspflege zu Hause.
Stomaversorgung zu Hause: Schritt für Schritt
Jede Versorgung ist individuell, doch der Ablauf ähnelt sich meist. Halten Sie sich immer an die Anleitung, die Sie von Ihrem Behandlungsteam erhalten haben.
Vorbereitung
Legen Sie alles bereit, bevor Sie beginnen: neuen Beutel oder neue Basisplatte, eine Schablone oder Schere zum Zuschneiden, weiche Kompressen oder Vliestücher, lauwarmes Wasser, einen Abwurfbeutel und gegebenenfalls Hautschutzprodukte. Waschen Sie sich gründlich die Hände.
Wechsel und Reinigung
Lösen Sie die alte Haftplatte langsam von oben nach unten und stützen Sie dabei die Haut mit der anderen Hand. Reinigen Sie die Haut um das Stoma sanft mit Wasser, ohne parfümierte Seifen oder Öle, denn diese können die Haftung verschlechtern. Tupfen Sie die Haut anschließend gut trocken. Das Stoma selbst ist gut durchblutet und kann bei der Reinigung leicht bluten. Das ist in der Regel harmlos, sollte aber beobachtet werden.
Anpassen und Anbringen
Die Öffnung der Haftplatte sollte genau zur Größe des Stomas passen. Ist sie zu groß, kommt die Haut mit Ausscheidungen in Kontakt; ist sie zu klein, kann das Stoma eingeengt werden. Gerade in den ersten Wochen nach der Operation verändert sich die Größe häufig, deshalb lohnt es sich, regelmäßig nachzumessen.
Die Haut um das Stoma schützen
Gesunde Haut ist die Grundlage für eine sichere Versorgung. Rötungen, Juckreiz, Brennen oder nässende Stellen sind Warnzeichen. Bei einer Ileostomie ist die Haut besonders empfindlich, weil die Ausscheidungen aggressiv sein können.
Beobachten Sie die Haut bei jedem Wechsel. Wenn Reizungen nicht nach kurzer Zeit abklingen, sprechen Sie mit Ihrer Stomatherapie, dem Pflegedienst oder der Hausarztpraxis. Oft helfen schon eine andere Plattenform, ein Hautschutzring oder ein angepasster Wechselrhythmus. Allgemeine Hinweise zur empfindlichen Haut finden Sie in unserem Beitrag zur Hautpflege im Alter.
Ernährung und Alltag mit Stoma
Viele Menschen mit Stoma können nach einer Eingewöhnung wieder weitgehend normal essen. Welche Empfehlungen in Ihrem Fall gelten, hängt von der Art des Stomas und Ihrer Vorgeschichte ab. Einige allgemeine Erfahrungen helfen vielen Betroffenen:
- in Ruhe essen und gut kauen, besonders bei faserreichen Lebensmitteln
- neue Lebensmittel nach und nach ausprobieren und beobachten, wie der Körper reagiert
- bei einer Ileostomie besonders auf ausreichendes Trinken achten, weil der Körper mehr Flüssigkeit verlieren kann
Bei Unsicherheit kann eine Ernährungsberatung sinnvoll sein. Wie Sie einen Flüssigkeitsmangel erkennen, lesen Sie in unserem Beitrag zur Dehydration im Alter.
Auch Duschen, Baden, Spazierengehen, Reisen und viele Sportarten sind mit Stoma häufig wieder möglich. Für Bewegung, bei der die Bauchmuskulatur stark beansprucht wird, sollten Sie ärztlichen Rat einholen. Weite, bequeme Kleidung und eine kleine Notfalltasche mit Ersatzmaterial geben unterwegs Sicherheit, etwa beim Ausflug an den Maschsee oder beim Einkauf in der Innenstadt.
Gefühle, Scham und Selbstbild
Ein Stoma betrifft nicht nur den Körper. Viele Menschen erleben anfangs Scham, Ekel oder Trauer, sorgen sich um Gerüche oder Geräusche und fragen sich, wie Partnerin oder Partner reagieren. Diese Gefühle sind verständlich und dürfen Raum bekommen.
Sprechen hilft. Der Austausch mit anderen Betroffenen, etwa in Selbsthilfegruppen wie der Deutschen ILCO, die auch in Niedersachsen aktiv ist, kann Mut machen. Wenn die Niedergeschlagenheit über längere Zeit anhält, holen Sie sich bitte Unterstützung. Hinweise dazu finden Sie in unserem Beitrag zur Depression im Alter.
Wie Angehörige unterstützen können
Für Angehörige ist es oft nicht leicht, die richtige Balance zu finden. Fragen Sie nach, welche Unterstützung gewünscht ist, und respektieren Sie die Intimsphäre. Wenn Ihr Angehöriger den Wechsel wegen Sehschwäche, Zittern oder Demenz nicht selbst durchführen kann, lassen Sie sich die Handgriffe von Fachkräften zeigen. Achten Sie auch auf Ihre eigenen Kräfte; Anregungen finden Sie in unserem Beitrag pflegende Angehörige entlasten.
Wann Sie ärztlichen Rat suchen sollten
- wenn das Stoma sich deutlich dunkel, bläulich oder blass verfärbt
- bei anhaltender Blutung aus dem Stoma oder Blut im Beutel
- wenn über längere Zeit keine Ausscheidung kommt, besonders zusammen mit Bauchschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen
- bei sehr großen Mengen flüssiger Ausscheidung, Schwindel oder starkem Durst
- wenn sich das Stoma deutlich vorwölbt, zurückzieht oder sich eine Schwellung um das Stoma bildet
Bei akuten, starken Beschwerden zögern Sie nicht, den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117 oder im Notfall die 112 zu rufen.
Stomaversorgung zu Hause mit ARCHIMED in Hannover
ARCHIMED begleitet Menschen in Hannover, etwa in Linden, in der List oder in Kirchrode, und in der Region Hannover in der ambulanten Pflege und Intensivpflege. Unsere Pflegefachkräfte unterstützen nach ärztlicher Verordnung bei der Stomaversorgung zu Hause, beobachten die Haut, leiten Betroffene und Angehörige behutsam an und stimmen sich mit Hausarztpraxen, Stomatherapie und Versorgern ab. Unser Ziel ist, dass Sie sich mit Ihrem Stoma sicher fühlen und Ihren Alltag wieder selbstbewusst gestalten können.
Häufige Fragen
Wie oft muss der Stomabeutel gewechselt werden?
Das hängt vom Versorgungssystem, der Art des Stomas und der Menge der Ausscheidungen ab. Ihr Behandlungsteam oder Ihre Stomatherapie gibt Ihnen einen passenden Rhythmus vor.
Riecht man ein Stoma?
Moderne Beutel haben in der Regel Filter und sind geruchsdicht, solange die Versorgung gut sitzt. Riecht es dennoch, lohnt es sich, die Dichtigkeit zu prüfen und gegebenenfalls ein anderes System zu testen.
Kann ich mit einem Stoma duschen?
Ja, in den meisten Fällen ist Duschen mit oder ohne Beutel möglich. Wasser schadet dem Stoma nicht. Fragen Sie nach der Operation nach, ab wann es für Sie erlaubt ist.
Wer hilft, wenn ich mit dem Wechsel nicht zurechtkomme?
Ansprechpartner sind die Stomatherapie, Ihr Versorger, die Hausarztpraxis und ein ambulanter Pflegedienst. Scheuen Sie sich nicht, früh um Hilfe zu bitten.
Sie möchten sich zur Stomaversorgung zu Hause beraten lassen? ARCHIMED ist gern für Sie da: 0511 / 8982332 · intensiv@archi-med.de.