Für viele Menschen mit chronischen Lungen- oder Muskelerkrankungen ist die nicht-invasive Beatmung eine große Erleichterung. Über eine Maske unterstützt ein Beatmungsgerät die Atmung, meist in der Nacht und bei Bedarf auch tagsüber. Ein Luftröhrenschnitt ist dafür nicht nötig. NIV-Beatmung zu Hause kann helfen, die Atemmuskulatur zu entlasten, erholsamer zu schlafen und tagsüber mehr Kraft zu haben. Gleichzeitig bringt sie neue Fragen mit sich: Wie sitzt die Maske richtig? Was tun bei Druckstellen? Und wie können Angehörige helfen, ohne sich zu überfordern?
Dieser Ratgeber richtet sich an Betroffene und ihre Familien. Wir erklären die Grundlagen, geben praktische Tipps für den Alltag und zeigen, wann Sie sich an das Behandlungsteam wenden sollten.
Was bedeutet NIV-Beatmung?
NIV steht für nicht-invasive Ventilation. Anders als bei der invasiven Beatmung über ein Tracheostoma wird die Luft über eine Maske zugeführt, die Nase oder Nase und Mund umschließt. Das Gerät unterstützt die eigenen Atemzüge mit einem eingestellten Druck. Eingesetzt wird NIV zum Beispiel bei fortgeschrittener COPD, bei neuromuskulären Erkrankungen wie ALS, bei Verformungen des Brustkorbs oder bei einer ausgeprägten Atemschwäche im Zusammenhang mit starkem Übergewicht.
Ob eine NIV-Beatmung sinnvoll ist und welche Einstellungen das Gerät braucht, entscheiden Fachärztinnen und Fachärzte, häufig in einem Beatmungszentrum oder einer Lungenfachklinik. Die Geräteeinstellungen sollten ausschließlich nach ärztlicher Vorgabe verändert werden.
Der Start zu Hause
Meist wird die NIV im Krankenhaus oder Schlaflabor begonnen. Dort wird die passende Maske ausgewählt und das Gerät eingestellt. Vor der Entlassung sollten Betroffene und Angehörige eine Einweisung erhalten: wie man die Maske anlegt, das Gerät bedient, Schläuche anschließt und Zubehör reinigt. Der Hilfsmittelversorger liefert Gerät und Zubehör nach Hause und ist Ansprechpartner bei technischen Fragen. Notieren Sie sich die Telefonnummern des Versorgers, der Klinik und der Hausarztpraxis und legen Sie sie gut sichtbar neben das Gerät.
Die ersten Nächte sind oft ungewohnt. Das Gefühl der Luftströmung, das Geräusch des Geräts und die Maske im Gesicht brauchen Gewöhnung. Viele Menschen finden es hilfreich, die Maske zunächst tagsüber für kurze Zeit in entspannter Situation zu tragen, etwa beim Fernsehen oder Lesen, sofern das Behandlungsteam zustimmt.
Den richtigen Maskensitz finden
Der Maskensitz entscheidet maßgeblich darüber, ob NIV-Beatmung zu Hause gut gelingt. Eine Maske sollte dicht sein, aber nicht drücken.
Nicht zu fest anziehen
Ein häufiger Fehler ist, die Bänder sehr fest zu ziehen, um Undichtigkeiten zu vermeiden. Das führt jedoch schnell zu Druckstellen und kann den Sitz sogar verschlechtern, weil sich das Maskenpolster verformt. Als Faustregel gilt: Unter die Kopfbänder sollten noch ein bis zwei Finger passen. Lassen Sie sich die richtige Spannung bei der Einweisung zeigen.
Undichtigkeiten erkennen
Entweicht Luft am Maskenrand, besonders in Richtung der Augen, kann das zu trockenen oder geröteten Augen führen. Oft hilft es, die Maske im Liegen neu anzulegen, da sich das Gesicht im Liegen anders formt als im Sitzen. Bleibt die Maske trotz richtiger Anlage undicht, passt eventuell die Größe oder das Modell nicht. Sprechen Sie dann mit dem Versorger oder dem Behandlungsteam.
Mund und Nase
Wer mit einer Nasenmaske beatmet wird und nachts den Mund öffnet, verliert Luft und wacht häufig mit trockenem Mund auf. Hier kann eine andere Maskenform sinnvoll sein. Ein Atemluftbefeuchter, der an manche Geräte angeschlossen werden kann, lindert Trockenheit von Nase und Mund. Ob er sinnvoll ist, klärt das Behandlungsteam.
Hautschutz im Gesicht
Die Haut unter dem Maskenpolster, vor allem auf dem Nasenrücken, ist besonders gefährdet. Schauen Sie sich das Gesicht nach jedem Abnehmen der Maske an. Eine leichte Rötung, die bald verschwindet, ist häufig. Bleibt sie bestehen oder entstehen Blasen und offene Stellen, sollte das Behandlungsteam informiert werden.
- Waschen Sie das Gesicht vor dem Anlegen mit klarem Wasser und tupfen Sie es trocken. Fettende Cremes direkt unter dem Polster können den Sitz beeinträchtigen.
- Reinigen Sie das Maskenpolster täglich nach Herstellerangaben, damit sich kein Hautfett ansammelt.
- Fragen Sie bei Druckstellen nach speziellen Hautschutzpflastern oder Polstern für den Nasenrücken.
- Wenn möglich und ärztlich vereinbart, können Pausen oder der Wechsel zwischen zwei Maskenmodellen die Haut entlasten.
Hinweise zur Mundpflege finden Sie in unserem Beitrag zur Mundpflege in der Intensivpflege.
Reinigung und Pflege des Zubehörs
Maske, Schlauch und Filter brauchen regelmäßige Pflege. Meist wird die Maske täglich mit warmem Wasser und milder Seife gereinigt und an der Luft getrocknet. Schläuche und Filter werden in festen Abständen gereinigt oder gewechselt. Halten Sie sich dabei an die Angaben des Herstellers und des Versorgers. Ein einfacher Plan an der Wand hilft, den Überblick zu behalten. Allgemeine Tipps finden Sie in unserem Beitrag zur Hygiene in der häuslichen Intensivpflege.
Die Rolle der Angehörigen
Angehörige sind oft eine große Stütze. Sie helfen beim Anlegen der Maske, wenn die Kraft in den Händen nachlässt, achten nachts auf Alarme und bemerken früh, wenn es jemandem schlechter geht. Gleichzeitig kann die Verantwortung belasten, besonders wenn der Schlaf der ganzen Familie unruhig wird. Sprechen Sie offen darüber, welche Aufgaben Sie übernehmen möchten und wo Sie Unterstützung brauchen.
Ein schriftlicher Notfallplan gibt Sicherheit. Er beschreibt, was bei einem Stromausfall, einem Gerätedefekt oder bei zunehmender Atemnot zu tun ist. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag zum Notfallplan in der Intensivpflege. Bei schwerer Atemnot, Bewusstseinsveränderungen oder blauen Lippen wählen Sie den Notruf 112.
Wann Sie das Behandlungsteam informieren sollten
- wenn die Maske trotz richtiger Anlage dauerhaft undicht ist oder schmerzt
- bei anhaltenden Druckstellen oder offenen Hautstellen im Gesicht
- wenn morgendliche Kopfschmerzen, Tagesmüdigkeit oder Atemnot zunehmen
- wenn das Gerät häufig Alarm gibt oder sich ungewohnt verhält
- bei Blähungen oder Völlegefühl, die mit der Beatmung zusammenhängen könnten
Unterstützung durch ein Pflegeteam
Viele Menschen kommen mit der NIV-Beatmung gut allein oder mit ihrer Familie zurecht. Wenn die Beatmungszeiten länger werden, jemand die Maske nicht selbst an- und ablegen kann oder zusätzliche Erkrankungen hinzukommen, kann eine fachpflegerische Begleitung sinnvoll sein. Pflegefachkräfte mit Erfahrung in der Beatmung kennen die Geräte, achten auf Maskensitz und Haut, beobachten Atmung und Vitalwerte und erkennen Veränderungen früh. In bestimmten Situationen kann außerklinische Intensivpflege ärztlich verordnet werden. Was dabei zu beachten ist, erklären wir in unserem Beitrag zur Beatmung zu Hause.
NIV-Beatmung zu Hause mit ARCHIMED in Hannover
ARCHIMED begleitet beatmete Menschen in Hannover, zum Beispiel in der Südstadt, in Herrenhausen oder in Groß-Buchholz, und in der Region Hannover. Unsere Pflegefachkräfte unterstützen beim Anlegen und Pflegen der Maske, beim Hautschutz und bei der Geräteüberwachung. Wir arbeiten eng mit Ärztinnen, Ärzten, Beatmungszentren und Hilfsmittelversorgern zusammen und beziehen Angehörige so ein, wie sie es sich wünschen.
Häufige Fragen
Wie lange dauert die Gewöhnung an die Maske?
Das ist sehr unterschiedlich. Manche Menschen kommen nach wenigen Nächten gut zurecht, andere brauchen mehrere Wochen. Geduld und ein gut sitzendes Maskenmodell helfen am meisten.
Darf ich die Einstellungen am Gerät selbst ändern?
Nein. Druck und andere Beatmungseinstellungen werden ärztlich festgelegt. Wenn Sie den Eindruck haben, dass etwas nicht passt, wenden Sie sich an das Behandlungsteam.
Was hilft gegen Druckstellen auf der Nase?
Die Bänder nicht zu fest ziehen, das Polster täglich reinigen und die Haut regelmäßig kontrollieren. Bei anhaltenden Druckstellen beraten Versorger und Pflegefachkräfte zu anderen Masken oder Hautschutz.
Kann man mit NIV-Beatmung verreisen?
Mit guter Planung ist das oft möglich. Sprechen Sie vorher mit Ihrem Behandlungsteam und Versorger. Tipps finden Sie in unserem Beitrag Ausflüge mit Beatmung planen.
Sie möchten sich zur NIV-Beatmung zu Hause beraten lassen? ARCHIMED ist gern für Sie da: 0511 / 8982332 · intensiv@archi-med.de.