Das Geräusch des Absauggeräts gehört für viele Familien in der außerklinischen Intensivpflege zum Alltag. Am Anfang wirkt es oft beängstigend: Ein Schlauch, ein Katheter, ein brummendes Gerät, und mittendrin der Mensch, den man liebt. Viele Angehörige fragen sich, ob das Absaugen weh tut, warum es so häufig nötig ist und woran man erkennt, dass etwas nicht stimmt. Dieser Ratgeber erklärt in ruhigen Worten, was Absaugen zu Hause bedeutet, wie das Pflegeteam dabei vorgeht und worauf Sie als Familie achten können.
Wichtig vorab: Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Anordnung und keine praktische Schulung. Wie oft und auf welche Weise abgesaugt wird, legen Arzt und Behandlungsteam für jeden Menschen individuell fest.
Warum Sekret überhaupt zum Problem wird
Unsere Atemwege bilden ständig etwas Schleim. Er hält die Schleimhäute feucht und fängt Staub und Keime ab. Normalerweise husten oder schlucken wir dieses Sekret ab, ohne es zu bemerken. Bei manchen Menschen funktioniert das nicht mehr ausreichend, zum Beispiel:
- bei einer Trachealkanüle, weil die natürliche Befeuchtung über Nase und Rachen umgangen wird,
- bei Beatmung, besonders wenn die Atemmuskulatur geschwächt ist,
- bei neuromuskulären Erkrankungen wie ALS oder Muskeldystrophien, die die Hustenkraft verringern,
- nach einem Schlaganfall oder bei anderen neurologischen Erkrankungen mit Schluckstörungen.
Bleibt das Sekret in den Atemwegen, kann es die Atmung erschweren und das Risiko für Infektionen erhöhen. Das Sekretmanagement hat deshalb ein klares Ziel: die Atemwege frei halten, damit die Atmung so leicht wie möglich fällt.
Absaugen zu Hause: Was dabei passiert
Beim Absaugen wird ein dünner, steriler Katheter über die Trachealkanüle, den Mund oder die Nase eingeführt. Das Absauggerät erzeugt einen Sog, mit dem das Sekret entfernt wird. Der Vorgang dauert meist nur wenige Sekunden. Für den betroffenen Menschen kann er unangenehm sein und Hustenreiz auslösen. Deshalb arbeiten erfahrene Pflegefachkräfte ruhig, kündigen jeden Schritt an und achten genau darauf, wie der Mensch reagiert.
Nicht nach Uhr, sondern nach Bedarf
Abgesaugt wird in der Regel dann, wenn es nötig ist, nicht nach einem starren Zeitplan. Das Pflegeteam achtet auf Hinweise wie brodelnde oder rasselnde Atemgeräusche, sichtbares Sekret, Unruhe oder veränderte Werte am Beatmungsgerät. Gleichzeitig gilt: So oft wie nötig, so selten wie möglich. Jedes Absaugen reizt die Schleimhaut, deshalb wird es mit Bedacht eingesetzt.
Mehr als nur Absaugen
Zum Sekretmanagement gehören weitere Bausteine, die der Arzt je nach Situation verordnen kann. Dazu zählen die Befeuchtung der Atemluft, Inhalationen, Lagerungswechsel, atemtherapeutische Übungen oder ein Hustenassistent, der das Abhusten maschinell unterstützt. Oft wirken diese Maßnahmen zusammen, sodass seltener abgesaugt werden muss. Mehr zur Versorgung der Kanüle lesen Sie in unserem Beitrag zur Tracheostoma-Pflege zu Hause.
Absaugen zu Hause gut organisiert
Damit das Absaugen zu Hause im Alltag reibungslos klappt, braucht es eine gute Organisation. Das Absauggerät sollte immer einsatzbereit und geladen sein, Katheter, Handschuhe und Spülflüssigkeit müssen in ausreichender Menge vorrätig sein. Viele Familien richten einen festen Platz in der Nähe des Bettes ein, an dem alles griffbereit liegt. Das Pflegeteam behält den Vorrat im Blick, achtet auf rechtzeitige Nachbestellung und prüft das Gerät regelmäßig. Für unterwegs gehört meist ein mobiles Absauggerät mit dazu.
Hygiene: Der wichtigste Schutz
Die Atemwege sind empfindlich, und über ein Tracheostoma können Keime leichter in die Lunge gelangen. Deshalb hat Hygiene beim Absaugen einen sehr hohen Stellenwert. Das Pflegeteam arbeitet nach festen Standards, zum Beispiel mit Händedesinfektion, Handschuhen, sterilen Einmalkathetern und regelmäßiger Reinigung des Geräts und der Schläuche.
Auch Sie als Familie können viel beitragen:
- Waschen und desinfizieren Sie Ihre Hände, bevor Sie Ihrem Angehörigen nahe kommen.
- Halten Sie Abstand, wenn Sie selbst erkältet sind, oder tragen Sie eine Maske.
- Lassen Sie den Pflegebereich rund um Absauggerät und Material aufgeräumt.
- Fassen Sie sterile Materialien nicht an, wenn Sie nicht geschult sind.
Warnzeichen, die Sie kennen sollten
Angehörige verbringen viel Zeit mit dem betroffenen Menschen und bemerken Veränderungen oft als Erste. Teilen Sie Ihre Beobachtungen immer dem Pflegeteam mit. Folgende Anzeichen sollten Sie ernst nehmen:
- Das Sekret verändert sich deutlich in Farbe, Menge, Geruch oder Konsistenz.
- Es zeigen sich Blutbeimengungen im Sekret.
- Ihr Angehöriger wirkt unruhig, ängstlich oder hat sichtbar Mühe beim Atmen.
- Fieber tritt auf oder der Allgemeinzustand verschlechtert sich.
- Haut oder Lippen verfärben sich bläulich oder grau.
- Das Beatmungsgerät alarmiert häufiger als gewohnt.
Viele dieser Zeichen bedeuten nicht automatisch einen Notfall, sie sollten aber zeitnah beurteilt werden. Das Pflegeteam entscheidet, ob der Hausarzt oder Facharzt informiert werden muss.
Wann Sie sofort Hilfe rufen
Bei akuter Atemnot, wenn die Kanüle verstopft oder herausgerutscht ist, bei starker Blutung oder wenn Ihr Angehöriger nicht mehr ansprechbar ist, zählt jede Minute. Wählen Sie in einer solchen Situation den Notruf 112. In der außerklinischen Intensivpflege gibt es für jeden Menschen einen individuellen Notfallplan. Lassen Sie sich diesen Plan vom Pflegeteam erklären und fragen Sie nach, bis Sie sich sicher fühlen. Gut zu wissen: Wo eine Pflegefachkraft rund um die Uhr im Einsatz ist, übernimmt sie im Notfall die ersten Schritte.
Wenn Angehörige selbst absaugen möchten
Manche Familien möchten lernen, selbst abzusaugen, zum Beispiel für Zeiten ohne Pflegefachkraft oder einfach, um im Ernstfall handeln zu können. Das ist möglich, setzt aber eine gründliche praktische Anleitung voraus. Lassen Sie sich die einzelnen Schritte mehrfach zeigen, üben Sie unter Aufsicht und sprechen Sie offen an, wenn Sie unsicher sind. Niemand muss etwas übernehmen, das ihm Angst macht. Die Verantwortung für die fachgerechte Versorgung liegt beim Pflegeteam.
Den Menschen im Blick behalten
Bei aller Technik darf eines nicht vergessen werden: Absaugen ist für den betroffenen Menschen ein sehr persönlicher und manchmal belastender Moment. Eine ruhige Stimme, eine vertraute Hand und eine Erklärung, was gerade passiert, machen einen großen Unterschied. Viele Menschen, die nicht sprechen können, zeigen über Blicke oder Gesten, wie es ihnen geht. Das Pflegeteam achtet auf diese Signale und bezieht sie in die Versorgung ein.
ARCHIMED in Hannover und der Region
ARCHIMED versorgt Menschen mit Beatmung und Tracheostoma in Hannover und der Region, von der Südstadt bis nach Langenhagen, Garbsen oder Laatzen. Unsere Pflegefachkräfte sind im Sekretmanagement erfahren, arbeiten eng mit Ärzten und Therapeuten zusammen und leiten Angehörige geduldig an. So entsteht Sicherheit im Alltag, für den betroffenen Menschen und für die ganze Familie.
Häufige Fragen
Tut Absaugen weh?
Absaugen kann unangenehm sein und Hustenreiz auslösen. Eine erfahrene Pflegefachkraft arbeitet behutsam und so kurz wie möglich, um die Belastung gering zu halten.
Wie oft muss abgesaugt werden?
Das ist sehr unterschiedlich und richtet sich nach dem Bedarf. Bei manchen Menschen ist es selten nötig, bei anderen häufiger. Das Pflegeteam beurteilt die Situation fortlaufend gemeinsam mit dem Arzt.
Was ist ein Hustenassistent?
Ein Hustenassistent ist ein Gerät, das einen Hustenstoß unterstützt, damit Sekret leichter abgehustet werden kann. Ob er sinnvoll ist, entscheidet der behandelnde Arzt.
Dürfen Angehörige absaugen?
Nach gründlicher Anleitung ist das in vielen Fällen möglich. Besprechen Sie mit dem Pflegeteam und dem Arzt, was für Ihre Situation sinnvoll ist.
Sie haben Fragen zum Absaugen oder zur Intensivpflege zu Hause? ARCHIMED ist gern für Sie da: 0511 / 8982332 · intensiv@archi-med.de.