Mobilisation bettlägeriger Menschen zu Hause in Hannover: Sanft in Bewegung bleiben

Mobilisation bettlägeriger Menschen zu Hause in Hannover: Sanft in Bewegung bleiben

Wenn ein Mensch nach einer Krankheit, einem Sturz oder im Verlauf einer fortschreitenden Erkrankung viel Zeit im Bett verbringt, verändert sich der Alltag für die ganze Familie. Schon nach wenigen Tagen ohne Bewegung lassen Kraft und Beweglichkeit spürbar nach, der Kreislauf wird unsicherer und die Haut empfindlicher. Die Mobilisation bettlägeriger Menschen ist deshalb ein zentraler Teil guter Pflege zu Hause. Sie bedeutet nicht, jemanden zu Höchstleistungen zu bringen, sondern vorhandene Fähigkeiten zu erhalten, Beschwerden vorzubeugen und ein Stück Selbstständigkeit zurückzugewinnen.

In diesem Ratgeber erklären wir, warum Bewegung auch im Bett so wichtig ist, wie Sie Schritt für Schritt vorgehen können, worauf Sie für Ihre eigene Sicherheit achten sollten und wann fachliche Unterstützung sinnvoll ist.

Warum Bewegung so viel bewirkt

Unser Körper ist auf Bewegung angelegt. Fehlt sie über längere Zeit, bauen Muskeln ab, Gelenke werden steifer und die Atmung flacher. Das Risiko für Druckgeschwüre, Thrombosen, Lungenentzündungen und Gelenkversteifungen steigt. Auch Verdauung und Blasenfunktion profitieren von Bewegung. Nicht zu unterschätzen ist die seelische Seite: Wer sich ein wenig aufsetzen, aus dem Fenster schauen oder am Tisch essen kann, erlebt den Tag anders als jemand, der nur an die Zimmerdecke blickt.

Mobilisation ist daher eng mit anderen Pflegezielen verbunden, etwa mit der Dekubitusvorbeugung, der Thromboseprophylaxe, der Pneumonieprophylaxe und der Kontrakturenprophylaxe.

Vor dem Start: Absprache mit Ärztin, Arzt und Therapie

Wie viel Bewegung möglich und sinnvoll ist, hängt stark von der Erkrankung ab. Nach Operationen, Knochenbrüchen oder bei Herz- und Lungenerkrankungen kann es Vorgaben geben, welche Bewegungen erlaubt sind und welche nicht. Klären Sie deshalb mit der Hausarztpraxis oder den behandelnden Ärztinnen und Ärzten, was Ihr Angehöriger darf. Physiotherapie und Ergotherapie können ärztlich verordnet werden und zeigen individuelle Übungen. In Hannover und der Region kommen viele Therapeutinnen und Therapeuten auch zu Hausbesuchen, wenn der Weg in die Praxis nicht möglich ist.

Mobilisation bettlägeriger Menschen Schritt für Schritt

Gute Mobilisation folgt einem einfachen Grundsatz: so viel Unterstützung wie nötig, so wenig wie möglich. Alles, was Ihr Angehöriger selbst schafft, sollte er selbst tun dürfen, auch wenn es länger dauert.

Bewegung im Liegen

Schon im Bett lässt sich viel bewegen. Füße kreisen, Zehen anziehen und strecken, Hände öffnen und schließen, Arme heben oder die Knie leicht anwinkeln: Solche kleinen Übungen fördern die Durchblutung und halten Gelenke beweglich. Wer sich nicht selbst bewegen kann, wird passiv bewegt. Dabei führen Sie die Gelenke langsam und sanft, ohne gegen einen Widerstand oder Schmerz zu arbeiten. Lassen Sie sich diese Bewegungen am besten von einer Pflegefachkraft oder Physiotherapie zeigen.

Regelmäßige Positionswechsel

Auch das Umlagern gehört zur Mobilisation. Ein Wechsel zwischen Rücken- und Seitenlage entlastet gefährdete Hautstellen und regt die Atmung an. Kissen und Lagerungshilfen sorgen dafür, dass die Position bequem und stabil ist. Wie oft umgelagert werden sollte, hängt vom Hautzustand und der Matratze ab und wird am besten im Pflegeteam festgelegt.

Aufsetzen im Bett und an der Bettkante

Ein nächster Schritt ist das Aufrichten des Oberkörpers, etwa mit einem verstellbaren Pflegebett. Später kann das Sitzen an der Bettkante folgen. Dabei drehen Sie Ihren Angehörigen zunächst auf die Seite, die Beine gleiten über die Bettkante und der Oberkörper wird mit Unterstützung aufgerichtet. Die Füße sollten flach auf dem Boden stehen. Bleiben Sie in dieser Phase immer in der Nähe, denn viele Menschen werden beim ersten Aufsitzen schwindelig.

Vom Bett in den Stuhl

Wenn das Sitzen an der Bettkante sicher gelingt, kann der Transfer in einen Stuhl oder Rollstuhl geübt werden. Stellen Sie den Stuhl nah und im leichten Winkel ans Bett, sichern Sie die Bremsen des Rollstuhls und achten Sie auf rutschfeste Schuhe oder Socken. Das Aufstehen, eine kleine Drehung und das Hinsetzen sollten ruhig und ohne Hektik ablaufen. Zum Thema Sicherheit finden Sie weitere Hinweise in unserem Beitrag zur Sturzprophylaxe zu Hause.

Auf Warnzeichen achten

Mobilisation soll guttun und nicht überfordern. Unterbrechen Sie die Bewegung und lassen Sie Ihren Angehörigen wieder hinlegen, wenn Sie Folgendes bemerken:

  • starker Schwindel, Blässe, Schweißausbruch oder Übelkeit
  • deutliche Atemnot oder Schmerzen in der Brust
  • plötzliche, starke Schmerzen in Gelenken oder Muskeln
  • ungewohnte Verwirrtheit oder große Erschöpfung

Treten solche Beschwerden wiederholt auf, sprechen Sie mit der Hausarztpraxis. Bei akuten, schweren Beschwerden wählen Sie den Notruf 112.

Rückenschonend helfen: Ihre eigene Sicherheit

Pflegende Angehörige unterschätzen oft, wie sehr Heben und Tragen den eigenen Rücken belasten. Einige Grundregeln helfen:

  • Stellen Sie das Pflegebett auf eine Arbeitshöhe ein, bei der Sie aufrecht stehen können.
  • Arbeiten Sie mit gebeugten Knien und nah am Körper Ihres Angehörigen, statt sich weit vorzubeugen.
  • Nutzen Sie die Kraft Ihres Angehörigen: Kündigen Sie jeden Schritt an und bewegen Sie sich gemeinsam.
  • Verwenden Sie Hilfsmittel wie Rutschtücher, Gleitmatten, Haltegriffe oder einen Patientenlifter, wenn sie empfohlen werden.

Viele Pflegekassen bieten kostenlose Pflegekurse und Schulungen zu Hause an, in denen solche Techniken gezeigt werden. Fragen Sie bei Ihrer Pflegekasse nach. Hilfsmittel wie ein Pflegebett oder ein Lifter können nach Beratung und Verordnung beantragt werden. Wie Sie sich als pflegende Person entlasten können, lesen Sie in unserem Beitrag zum Thema pflegende Angehörige entlasten.

Motivation und Würde im Alltag

Für bettlägerige Menschen kostet jede Bewegung Kraft und manchmal auch Überwindung. Angst vor Schmerzen oder einem Sturz ist verständlich. Hilfreich ist es, Bewegung mit sinnvollen Tätigkeiten zu verbinden: zum Frühstück an der Bettkante sitzen, sich beim Waschen selbst das Gesicht abtrocknen oder am Nachmittag am Fenster Kaffee trinken. Kleine, erreichbare Ziele schaffen Erfolgserlebnisse. Loben Sie Fortschritte, auch wenn sie klein erscheinen, und akzeptieren Sie Tage, an denen weniger möglich ist.

Auch die Umgebung spielt eine Rolle. Ein heller Raum, ein Blick nach draußen, vertraute Gegenstände in Reichweite und eine Uhr helfen, den Tag zu strukturieren. Bei Menschen mit Demenz sind feste Abläufe und ruhige, kurze Erklärungen besonders wichtig.

Mobilisation bei schweren Erkrankungen und Intensivpflege

Auch Menschen, die beatmet werden, ein Tracheostoma haben oder sehr schwer erkrankt sind, können von angepasster Mobilisation profitieren. Hier ist allerdings besondere Fachkenntnis nötig, denn Schläuche, Sonden und Geräte müssen gesichert und Vitalwerte beobachtet werden. In der außerklinischen Intensivpflege planen Pflegefachkräfte die Mobilisation daher gemeinsam mit Ärztinnen, Ärzten und Therapie. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag zur Beatmung zu Hause.

Mobilisation mit ARCHIMED in Hannover

ARCHIMED begleitet Menschen in Hannover, zum Beispiel in Linden, in der List oder in Kirchrode, und in der Region Hannover in der ambulanten Pflege und in der außerklinischen Intensivpflege. Unsere Pflegefachkräfte unterstützen bei der täglichen Mobilisation, beim Lagern und beim Transfer, achten auf Haut, Atmung und Kreislauf und zeigen Angehörigen, wie sie rückenschonend helfen können. Dabei arbeiten wir eng mit Hausarztpraxen und Therapeutinnen und Therapeuten zusammen und richten uns nach dem Tempo der Menschen, die wir begleiten.

Häufige Fragen

Wie oft sollte ein bettlägeriger Mensch bewegt werden?

Kleine Bewegungen und Positionswechsel sind über den ganzen Tag verteilt sinnvoll. Wie oft genau, hängt vom Gesundheitszustand ab und sollte mit Pflegefachkräften und Ärzten abgestimmt werden.

Was tun, wenn mein Angehöriger keine Lust auf Bewegung hat?

Fragen Sie behutsam nach den Gründen, etwa Schmerzen, Angst oder Müdigkeit. Verbinden Sie Bewegung mit angenehmen Tätigkeiten und setzen Sie kleine Ziele. Halten Schmerzen an, sprechen Sie mit der Hausarztpraxis.

Welche Hilfsmittel erleichtern die Mobilisation?

Häufig helfen ein höhenverstellbares Pflegebett, Rutschtücher, Haltegriffe, ein Rollstuhl oder ein Patientenlifter. Welche Hilfsmittel passen, klären Sie am besten mit Pflegefachkräften, Therapie und Ihrer Pflegekasse.

Kann ich etwas falsch machen?

Wichtig ist, nie gegen Schmerz oder Widerstand zu bewegen und ärztliche Vorgaben zu beachten. Lassen Sie sich Griffe und Übungen zeigen, dann gewinnen Sie schnell Sicherheit.

Sie möchten sich zur Mobilisation bettlägeriger Menschen beraten lassen? ARCHIMED ist gern für Sie da: 0511 / 8982332 · intensiv@archi-med.de.

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